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Medizinische Studien

Die Studientypen in der Medizin

Zum besseren Überblick habe ich an dieser Stelle noch einmal die wichtigsten Studientypen aufgelistet. Wenn Sie also von einer medizinischen Studie hören oder lesen, dann wissen Sie auch gleich, wo die Knackpunkte liegen können.

Beobachtungen:

Erinnern Sie sich an die torkelnden, Beriberi-kranken Hühner in Indonesien, die durch braunen Reis wieder gesund wurden? Da hat jemand einen Zusammenhang beobachtet. Zuerst einmal genau hingeschaut, ohne ein einziges Reagenzglas in die hand zu nehmen. Im Jahr 1854 war das schon einmal gelungen, als in London viele Cholerafälle rund um ein bestimmtes Wasserwerk beobachtet wurden.

Querschnittsstudien:

sind eine Variante der Beobachtungsstudien. Hier stellen Forscher eine sehr grosse Gruppe auf den Prüfstand, ohne dass zu Beginn feststeht, nach welchem Ergebnis genau gesucht wird. Eine solche Querschnittsstudie ist der Kinder-und Jugend-Gesundheitssurvey (KIGGS) , mit dem der Gesundheitszustand junger Menschen in Deutschland erfasst werden sollte. Dabei kann dann etwas auffallen. Zum Beispiel, dass adipöse Kinder häufig aus sozial schlechter gestellten Familien kommen. Das wäre dann wieder eine Meldung für die Presse. Das Problem dabei: Es ist garnicht klar, ob ein beobachteter Zusammenhang zufällig ist oder auf eine Ursache-Wirkung-Kette zurückgeht. Das muss immer erst geprüft werden. Sie kennen sicher auch den Zusammenhang zwischen der Zahl der Babys und der Zahl der Störche. Von beiden gibt es im Frühjahr mehr als im Winter. Auch das lässt sich statistisch nachweisen, macht aber trotzdem keinen Sinn.

Fall-Kontroll-Studien:

unterscheiden von vornherein zwei Gruppen: die Betroffenen und die nicht Betroffenen. Bei solchen Studien werden zum Beispiel rauchende Menschen mit Nichtrauchern verglichen. Wieviele aus jeder Gruppe erkranken an Krebs?  Im Jahr 1961 kam durch eine solche Studie der Zusammenhang zwischen dem Medikament Contergan und Fehlbildung bei Kindern ans Licht. Das Problem bei solchen Studien: Es kann zwar sein, dass sich zwei grosse Gruppen gut unterscheiden lassen. Raucht oder raucht nicht, das ist ja nicht so schwer. Aber was ist jetzt mit den Rauchern und den Nichtrauchern, die ausserdem mit Asbest in Berührung kommen und auch noch regelmässig Alkohol trinken? Wie stelle ich fest, warum genau sie an Krebs erkrankt sind?

Kohortenstudien:

… sind großmaßstäblich angelegte Langzeitbeobachtungen einer bestimmten Gruppe. Zu den am meisten bekannten Kohortenstudien zählt die riesige Nurse’s Health Study (seit 1976, 121700 Teilnehmerinnen). Eine “Kohorte” repräsentiert zum Beispiel die typische ältere Bevölkerung, oder sie steht für eine Gruppe von Menschen die ein bestimmtes vitamin einnehmen. Die Gruppe wird in einem festgelegten Zeitraum immer wieder untersucht. Durch die grosse Fallzahl und den langen Beobachtungszeitraum können relativ genaue Untersuchungsergebnisse erzielt werden. Können!  Denn das Problem bei diesen Untersuchungen besteht wiederum darin, dass zum Beispiel die Einnahme eines bestimmten Präperates über einen langen Zeitraum als garantiert vorausgesetzt wird – tatsächlich weiss man aber nicht, ob die getesteten Personen nicht auch mal ein halbes Jahr lang vergessen haben, ihre Pille zu schlucken. Oder noch länger.

Die randomisierte, aktiv kontrollierte Doppelblindstudie

(“randomised controlled clinical trial”, kurz RCT) ist in der Evidenzbasierten Medizin (EBM), in der Industrie und bei Journalisten besonders beliebt, weil sie so genau zu sein scheint. Die Medizinjournalistin Martina Lenzen-Schulte erklärt, warum das so ist: “Die EBM-Experten können an diesem Studientyp ihre methodischen Ansprüche in Reinkultur zelebrieren, für die Pharmaindustrie sind sie inzwischen das tägliche Brot, um die Zulassung eines Medikamentes durchzudrücken.” Kritiker bemängeln, dass bei diesem Studientyp des Design der Studie  relativ leicht so angelegt werden kann, dass das gewünschte Ergebnis herauskommt. Und dass die Sache mit der Verblindung oft nicht funktioniert: denn oft merken erfahrene Studienteilnehmer aus der Placebogruppe, dass ihr Pseudomedikament nicht wirken kann, weil sie keine Nebenwirkungen spüren.

Medizinische Studien

Metaanalysen

… werden  werden oft für besonders bedeutsam oder besonders genau gehalten.  Denn hier bündeln Forscher sehr viele Studien zum gleichen Thema und bilden ein Sammelergebnis. Die Zahl der Studienteilnehmer geht dann oft in die Hunderttausende. “Dann muss es ja stimmen.”, denkt der Journalist. Stimmt aber oft nicht. Besonders bekannt für Metaanalysen ist die Cochrane Collaboration. Sie versteht sich als internationales Netzwerk von Forschern und Ärzten. “Cochrane” tritt vor allem dort in Aktion, wo einzelne Studien nicht aussagekräftig genug sind. Die Prüfer werfen dann alles vorhandene und akzeptable Material zusammen, um daraus eine Art Schlichterspruch zu destillieren”, erklärt Harro Albrecht, einer der wenigen Journalisten, die bei Medizinstudien auch das Kleingedruckte lesen. “Wer als Fachmann – oder Journalist – auf eine Cochrane-Analyse  stösst, der sucht meist nicht weiter”. schreibt Albrecht in seinem Beitrag “Verschnupfte Wissenschaft” für die Zeit (25.2.2011).

Dabei passiert s auch bei dieser hoch angesehenen Institution immer wieder, dass in den grossen Topf der Studien genau das hineingeworfen wird, was man braucht, um ein industriefreundliches Ergebnis hervorzuzaubern. Harro Albert konnte das am Beispiel von Zinktabletten gegen Erkältung klar nachweisen und sogar eine selbstkritische Einschaetzung von Gert Antes einholen, dem Leiter des Deutschen Cochrane-Zentrums: “Für Antes zeigt der Zink-Fall, dass es zu wenig unabhängige Pharmaforschung gibt”, schreibt Albrecht. “Ein Grossteil der Studien stamme von der  Industrie oder sei von ihr unterstützt – direkt oder eben über den Umweg via Stiftungen.” 

So viel zu medizinischen Studien im Allgemeinen. Wenn es um die Erforschung von Vitaminen geht, kommen weitere Herausforderungen dazu.

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